Ökologie

Moorbrand in Meppen

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Beißender, weißer Rauch, entlang der Ems und Brandgeruch bis nach Hamburg. Im September 2018 brennt ein Moor bei Meppen. Das Feuer wurde von einer Bundeswehr-Rakete ausgelöst. Hier eine Chronologie der Ereignisse:

3. September – Raketentest

Die Wehrtechnischen Dienststelle 91 (WTD 91) stellt die notwendige Expertise für die sichere Handhabung von Munition und Waffen in der Bundeswehr bereit. Seit 1957 nutzt die Bundeswehr diesen größten Schießplatz Westeuropas, der mit einer aufwändigen Messtechnik ausgestattet ist. Auf der rund 200 Quadratkilometer großen Schießplatzfläche, zu der auch Moorgebiete gehören, finden regelmäßig Schießversuche statt.

An diesem Tag wurde wie vor jeder Versuchsreihe üblich eine Koordinierungsbesprechung durchgeführt. In dieser wurden mögliche Risikofaktoren einschließlich Brandrisiken erörtert. Aufgrund der großen Trockenheit des Moorgebietes fanden zuletzt nur noch hoch priorisierte Versuche statt. Demnach durften nur noch solche Versuche durchgeführt werden, bei denen das Risiko der Ausbreitung von Bränden als insgesamt gering und beherrschbar bewertet werden.

Wie bereits an drei vorangegangenen Tagen mit vergleichbaren Schießversuchen stand auch am 3. September eine funktionstüchtige Löschraupe bereit, um mögliche Brände im Moorgebiet umgehend löschen zu können. Erst nach dem Abschuss zweier Raketen und nach dem erfolgreichen Löschen des vorderen Brandherdes auf dem Weg zum zweiten Brandherd fiel die Löschraupe durch einen technischen Defekt aus. Durch die Verzögerung bei der Brandbekämpfung konnte der Brand nicht rechtzeitig gelöscht werden, sodass tiefere Schichten des Moores in Brand gerieten.

Quelle: Bundeswehr/WTD 91

18. September – Brandrauch
In weiten Teilen des nordwestlichen Niedersachens wird die Bebölkerung vor dem Rauch gewarnt. Die Menschen werden gebeten, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Empfidlichen Personen wird geraten, in betroffenen Bereichen den Aufenthalt im Freien zu vermeinden. Mittlerweile kämpfen mehr als 1.000 Einsatzkräfte gegen das Feuer.

21. September – Katastrophe
Aufgrund des Moorbrandes und der Wetterprognosen für den Tag hat Landrat Reinhard Winter um 09:40 Uhr in enger fachlicher Abstimmung mit dem Niedersächsischen Innenministerium den Katastrophenfall ausgerufen. Dieser offizielle Akt sei eine wichtige Voraussetzung, um zum Beispiel auch mit überörtlicher Unterstützung planen und arbeiten zu können, insbesondere, wenn sich die Situation vor Ort nachhaltig verschärfe, erklärt Winter. „Wir wappnen uns für alle Eventualitäten und kommen hiermit vor die Lage“, unterstreicht der Landrat. „Mit Blick auf die neue Situation und die Prognosen der Bundeswehr können wir derzeit eine Evakuierung der Gemeinden Groß und Klein Stavern zudem nicht mehr ausschließen“, erläutert Winter. „Wir sind gut vorbereitet und wollen keine Unruhe erzeugen. Da der Schutz der Bevölkerung für uns an erster Stelle steht, möchten wir aber die Staverner frühzeitig darauf aufmerksam machen, dass eine Evakuierung nicht mehr undenkbar ist“, so Winter.

Bürgerinnen und Bürger Staverns sind daher aufgefordert, sich grundsätzlich auf eine eventuelle Evakuierung vorzubereiten. „Eine ganz konkrete Prognose ist derzeit nicht möglich, dennoch ist zu erwarten, dass sich Rauchbelästigung und Funkenflug verschärfen. Aber ob überhaupt evakuiert werden muss, ist natürlich abhängig vom Verlauf der Löscharbeiten auf dem Areal der Bundeswehr sowie den sich verändernden Wetterbedingungen“, ergänzt Winter. Hier befinde man sich in enger Abstimmung mit der Bundeswehr, Experten sowie den Einsatzkräften vor Ort. Zudem werde derzeit ein engmaschiges Netz an Messpunkten eingerichtet, um die Belastung durch den Rauch permanent zu überwachen.

„Die Einwohner Staverns sind aufgefordert, die Ruhe zu bewahren, sollten aber vorsorglich die wichtigsten Dokumente wie Ausweispapiere und benötigte Medikamente zusammenpacken“, empfiehlt der zuständige Dezernent Marc-André Burgdorf.

Sollte es zur Evakuierung kommen, würden zeitnah Sammelplätze und Unterbringungsmöglichkeiten kommuniziert. Bundeswehr und Landkreis richteten Bürgertelefone ein.

22. September – Tiefflieger
Die Luftwaffe fliegt mit zwei CH53 Transporthubschraubern Löscheinsätze. Die Flüge begannen am Vormittag und sind bis zum 24. September geplannt. Zusätzlich werden zwei Aufklärungs-Tornados Fotos und Wärmebildaufnahmen des Moorgebiets anfertigen, um etwaige Glutnester zu entdecken. Dazu fliegen die Jets im Tiefflug über die Region.

CH 53 in Meppen
(Quelle: Bundeswehr/Ralf Wilke)

Keine akute Gesundheitsgefahr
Die Messungen des Gefahrgutzuges der Kreisfeuerwehr Leer, der mit festen und mobilen Stationen in Stavern, in Sögel und Klein Berßen die Luftbelastung untersucht, haben ergeben, dass keine akute Gesundheitsgefährdung durch die aktuelle Rauchentwicklung vor Ort besteht. „Natürlich gibt es nach wie vor Geruchsbelästigungen und auch die emotionale Belastung für die Anwohner vor Ort ist weiter hoch. Aber eine Grenzwertüberschreitung wurde nicht ermittelt“, unterstreicht Emslands Landrat Reinhard Winter.

Neben der mobilen Messung, die nach Bedarf realisiert wird, sind seit gestern fünf feste Messstationen im Einsatz, die eine regelmäßige Überwachung der Kohlenmonoxidwerte vor Ort garantieren. Diese Einrichtungen werden heute um ein mobiles Umweltlabor des LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW) ergänzt, das weitere wesentliche Brandgase misst. Außerdem sind zwei private Ingenieurbüros beauftragt, an weiteren Punkten in der Umgebung Messstationen einzurichten und ab sofort u. a. auch die Feinstaubbelastung zu erfassen. Der bisher eingesetzte ABC-Zug misst derzeit mobil und stationär in erster Linie Kohlenmonoxid, das bei Brandgeschehen als zentraler Leitparameter dient. Bei den zahlreichen bisherigen Messungen von Kohlenmonoxid im Gebiet Staverns konnten mit Blick auf die zulässigen Toleranzgrenzen keine Auffälligkeiten festgestellt werden.

Ministerin im Moor
Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen besuchte den Standort Meppen. Vor Ort informierte Sie sich persönlich über die Lage des Moorbrandes und dankte den Einsatzkräften für ihren unermüdlichen Einsatz, suchte das Gespräch mit den Ortsbürgermeistern und dem Landrat. Begleitet wurde die Ministerin vom Ministerpräsidenten des Landes Niedersachsen, Stephan Weil, und dem Niedersächsischen Minister für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung, Bernd Althusmann. Zum Abschluss ihres Besuchs fasste sie ihre Eindrücke vor Medienvertretern zusammen.

Einweisung der Ministerin in die Lage.
Quelle: Bundeswehr/Ralf Wilke

23. September – Pioniere im Moor
Derzeit gibt es keine oberirdischen Feuer und das regnerische Wetter verhindert Rauchentwicklung, sodass sich die Belastung der nahe gelegenen Ortschaften reduziert hat. Die Eisatzführung wertet durch die Tornados und Drohnen aufgenommenen Bilder aus. Die Tornados stehen bei Bedarf zu weiteren Aufklärungsflügen zur Verfügung. Pioniere der Bundeswehr entfernen in den betroffenen Waldbereichen vorsorglich Waldbruch und schlagen Schneisen. Im Einsatz sind an diesem Tag:

571 kommunale Feuerwehrkräfte
65   Feuerwehrkräfte der Bundeswehr
212 Spezialpioniere der Bundeswehr
483 Helferinnen u. Helfer der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk (THW)


Quelle Bilder/Video
: Bundeswehr/Mediendatenbank

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